Die Geschichte der Seife

2013-06-18

In der Chemie ist Seife ein Salz aus einer fettigen Säure. Seifen werden hauptsächlich als Tenside zum Waschen, Baden und Reinigen verwendet, aber sie werden auch in der Textilspinnerei benutzt und sind wichtige Bestandteile von Schmiermitteln. Seifen für die Reinigung werden durch Behandlung pflanzlicher oder tierischer Öle und Fette mit einer stark alkalischen Lösung gewonnen. Fette und Öle bestehen aus Triglyzeriden; drei Moleküle fettiger Säuren sind verbunden zu einem einzelnen Glyzerolmolekül. Die alkalische Lösung, die oft Lauge genannt wird (obwohl der Begriff „Seifenlauge“ sich eigentlich nur auf mit Sodiumhydroxid hergestellte Seifen bezieht), bewirkt eine chemische Reaktion, die als Verseifung bekannt ist. In der Verseifung werden die Fette zuerst zu freien Fettsäuren hydrolysiert, die sich dann mit dem Alkali zu einer Rohseife verbinden. Glyzerol (Glyzerin) wird freigesetzt und entweder drin gelassen oder ausgewaschen und zu einem nützlichen Nebenprodukt wiederhergestellt, abhängig vom angewandten Prozess.

 

Mechanismus von Reinigungsseifen

Ansammlung von Staub auf Stoffen

Wenn jemand Kleidung trägt, wirkt, als Ergebnis der körperlichen Bewegung, Reibungskraft auf die Kleidungsoberfläche und die Fasern werden aufgeladen. Dies ist so, da entweder Elektronen von der Kleidung auf den Körper übergehen, oder Elektronen vom Körper auf die Kleidung. In beiden Fällen wird die Kleidung aufgeladen und diese Ladung erzeugt ein elektrisches Feld, das nahe liegende Staubpartikel anzieht und diese Partikel werden dann an die aufgeladene Kleidung gezogen.

Wirkung der Seife

Beim Gebrauch für die Reinigung erlaubt die Seife ansonsten unlöslichen Partikeln, wasserlöslich und dann weggespült zu werden. Zum Beispiel: Öl/Fett ist wasserunlöslich, doch wenn einige Tropfen Geschirrspülmittel zur Mischung hinzugefügt werden, verschwindet das Öl/Fett sofort. Die unlöslichen Öl-/Fettmoleküle werden in Micellen, kleinen Sphären, gebildet aus Seifenmolekülen mit polaren hydrophilen (wasserliebenden) Gruppen an der Aussenseite verbunden, die eine lipophile (fettliebende) Tasche umhüllen, welche das Öl/Fett vor dem Wasser schützt und es löslich macht. Alles Lösliche wird mit dem Wasser weggewaschen. Synthetische Reinigungsmittel arbeiten mit ähnlichen Mechanismen wie Seife.

Effekt des Alkalis

Die verwendete Art von Alkalimetall bestimmt die Sorte der produzierten Seife. Natriumseifen, verarbeitet aus Natriumhydroxid, sind hart, während Kaliumseifen, hergestellt aus Kaliumhydroxid, weicher und häufig flüssig sind. Früher wurde Kaliumhydroxid aus der Asche von Adlerfarn oder anderen Pflanzen extrahiert. Lithiumseifen sind auch eher hart—diese werden ausschliesslich in Schmierfetten verwendet.

Effekte von Fetten

Seifen sind Derivate aus fettigen Säuren. Traditionell wurden sie aus Triglyzeriden (Öle und Fette) gemacht. Triglyzerid ist der chemische Name für die Triester aus Fettsäuren und Glyzerin. Talg ist das meistverfügbare Triglyzerid von Tieren. Das verseifte Produkt wird Natriumtallowat genannt. Typische Pflanzenöle, die in Seifen verwendet werden, sind Palmöl, Kokosnussöl, Olivenöl und Lorbeeröl. Jede Sorte bietet unterschiedliche Fettsäuregehalte und daher auch unterschiedliche Ergebnisse im Gefühl der Seifen. Die Kernöle geben weichere und mildere Seifen. Aus reinem Olivenöl hergestellte Seife wird manchmal Kastillienseife oder Marseilleseife genannt und ist bekannt dafür, besonders mild zu sein. Der Begriff „Kastillisch" wird manchmal auch auf Seifen aus einer Mischung aus Ölen angewandt, jedoch mit einem hohen Anteil Olivenöl.

 

Geschichte der Reinigungsseifen

Frühe Geschichte

Der früheste aufgezeichnete Beweis der Produktion seifenähnlicher Materialien datiert ungefähr zurück auf das Jahr 2800 v. Chr. im antiken Babylon. Eine Formel für Seife, bestehend aus Wasser, Alkali und Kassiaöl wurde ungefähr 2200 v. Chr. auf eine babylonische Tontafel geschrieben.

Das Papyrus von Ebers (Ägypten, 1550 v. Chr.) zeigt, dass die antiken Ägypter regelmässig badeten und tierische und pflanzliche Öle mit basischen Salzen kombinierten, um eine seifenartige Substanz zu erzeugen. Ägyptische Schriftstücke erwähnen, dass eine seifenartige Substanz bei der Vorbereitung von Wolle zum Weben verwendet wurde.

Während der Regierung von Nabonidus (556–539 v. Chr.) bestand ein Rezept für Seife aus uhulu [Asche], Zypresse [Öl] und Sesam [Kernöl] "zum Waschen der Steine für die Dienerinnen".

Antikes Rom

Das Wort sapo, Latein für Seife, erscheint zum ersten Mal in Historia Naturalis von Plinius dem Älteren, worin die Herstellung von Seife aus Talg und Asche diskutiert wird, doch als einzigen Verwendungszweck nennt er Pomade fürs Haar; er erwähnt eher missbilligend, dass die Männer der Gallier und Germanen es eher verwenden würden, als ihre weiblichen Gegenparts.

Ein berühmter Glaube behauptet, Seife habe ihren Namen von einem vermeintlichen Mount Sapo, wo tierische Opfer dargebracht worden sein sollten; Talg dieser Opfer soll mit Asche aus dem Feuer dieser Opfergaben und Wasser vermischt worden sein, um Seife herzustellen, doch gibt es keinen Beweis für einen Mount Sapo in der römischen Welt und keinen Beweis für die apokryphische Geschichte. Das Lateinische Wort sapo bedeutet einfach “Seife"; es wurde wahrscheinlich von einer frühen Germanischen Sprache entliehen und ist verwandt mit dem Lateinischen sebum, "Talg", das in dem Bericht Plinius des Älteren erscheint. Bei Römischen Tieropfern verbrannten normalerweise nur die Knochen und nicht essbaren Eingeweide der geopferten Tiere; essbares Fleisch und Fett der Opfer wurden eher von den Menschen als von den Göttern genommen.

Zosimos von Panopolis, ca. 300 n. Chr., beschreibt Seife und Seifenherstellung. Galen beschreibt Seifenherstellung mit Hilfe von Lauge und ordnet das Waschen an, um Unreinheiten von Haut und Kleidung zu entfernen. Nach Galen waren die besten Seifen Germanisch und Seifen aus Gallien waren die zweitbesten. Dies ist ein Verweis auf echte Seife in der Antike.

Antikes China

Seife, oder eher ein seifenähnliches Reinigungsmittel, wurde im antiken China aus Pflanzen und Kräutern hergestellt. Echte Seife, hergestellt aus tierischem Fett, erschien nicht vor der Moderne in China. Seifenähnliche Reinigungsmittel waren nicht so berühmt wie Salben und Cremen.

Mittlerer Osten

Ein islamisches Schriftstück aus dem 12. Jahrhundert beschreibt den Vorgang der Seifenproduktion.  Es erwähnt die Schlüsselzutat, Alkali, das später entscheidend für die moderne Chemie wird, gewonnen aus al-qaly oder "Asche".

Bis zum 13. Jahrhundert wurde die Herstellung von Seife in der islamischen Welt praktisch industrialisiert, mit Quellen in Nablus, Fes, Damaskus und Aleppo.

Mittelalterliches Europa

Seifenhersteller in Neapel waren Mitglieder einer Gilde im späten sechsten Jahrhundert und im achten Jahrhundert war die Seifenherstellung sehr bekannt in Italien und Spanien. Das Karolingerkapitular De Villis, datierend auf ungefähr 800 und den königlichen Willen Karls des Grossen repräsentierend, erwähnt Seife als eines der Produkte, das die Stewards der königlichen Ländereien zählen müssen. Seifenherstellung wird sowohl als "Frauenarbeit", als auch als Produkt "guter Handwerker” erwähnt, neben anderen Notwendigkeiten, wie Produkte von Schreinern, Schmieden und Bäckern.

15.–19. Jahrhundert

In Frankreich, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, konzentrierte sich die halbindustrialisierte Herstellung von Seife auf einige Zentren der Provence— Toulon, Hyères und Marseille — die den Rest Frankreichs versorgten. In Marseille war die Produktion bis 1525 in zwei Fabriken konzentriert und die Seifenproduktion in Marseille stellte die der anderen Provençalischen Zentren in den Schatten. Die Englische Herstellung konzentrierte sich in London.

Feinere Seifen wurden später in Europa ab dem 16. Jahrhundert produziert und nutzten pflanzliche Öle (wie Olivenöl) statt tierischer Fette. Viele dieser Seifen werden noch immer hergestellt, sowohl industriell, als auch von kleineren Kunsthandwerkern. Kastillische Seife ist ein berühmtes Beispiel der rein pflanzlichen Seifen, abgeleitet aus der ältesten “weissen Seife" Italiens.

In modernen Zeiten ist die Benutzung von Seife auf Grund eines besseren Verständnisses der Rolle der Hygiene bei der Reduzierung pathologischer Mikroorganismen universell geworden. Industriell hergestellte Riegelseifen waren erstmals im späten 18. Jahrhundert erhältlich, als Werbekampagnen in Europa und den USA die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Sauberkeit und Gesundheit förderten.

Bis zur Industriellen Revolution wurde die Seifenherstellung nur in geringen Zahlen durchgeführt und das Produkt war rau. Andrew Pears begann 1789 in London, eine hochwertige, transparente Seife herzustellen. Sein Schwiegersohn, Thomas J. Barratt, eröffnete 1862 eine Fabrik in Isleworth. William Gossage produzierte ab den 1850ern günstige, gute Seife. Robert Spear Hudson begann 1837 ein Seifenpuder herzustellen, zunächst durch Mahlen der Seife mit Mörser und Stössel. Der amerikanische Hertseller Benjamin T. Babbitt stellte Werbeinnovationen vor, die den Verkauf von Riegelseife und die Verteilung von Proben beinhalteten. William Hesketh Lever und sein Bruder James kauften 1866 ein kleines Seifenwerk und gründeten, was noch heute eines der grössten Seifengeschäfte ist, früher Lever Brothers genannt und heute Unilever.

* Info von wikipedia.

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